Ohne Internetadressen kein E-Government

Netzwerk Smart City Berlin

Wir sind der Meinung, dass die Planung und Umsetzung von E-Government-Diensten und Smart-City-Lösungen allzu oft lediglich auf die für den privaten, gewerblichen oder behördlichen Nutzer sichtbaren Anwedungsoberflächen (z. B. die Anwendung eines Gewerbes über das Internet) und Endgeräte (z. B. das autonome Fahrzeug) abzielt. Politisch lässt sich das gut verkaufen, ist aber letztlich nur ein Teil der Stadt von morgen.

Weniger „spannend“, dafür aber umso wichtiger, sind die Themen Konnektivität und Kommunikationsinfrastruktur. Dazu gehören sichere und schnelle Netzwerkverbindungen ebenso wie IP- und Internetadressen als integraler Bestandteil der Infrastruktur von Städten. Servicebeispiele sind etwa das öffentliche WLAN, Glasfaserleitungen und Nameservever, aber auch der Schutz dieser Infrastrukturen vor physischen Angriffen (ob nun durch Bagger oder Terroristen) und Cyberangriffen.

Diese Infrastrukturen werden zumeist von privaten Netzbetreibern, Telekommunikationsanbietern und IT-Unternehmen unterhalten. An dieser Stelle hervorheben möchten wir die Verwalter von Top-Level-Domains, wie die DENIC e.G. (.de) und die dotBERLIN GmbH & Co. KG (.berlin), die für den reibungslosen Betrieb ihrer Domain-Endungen sorgen.

Im Krisenfall

Ausfälle der Kommunikationsinfrastrukturen ganzer Städte hat es in der Vergangenheit zur Genüge gegeben. Gründe dafür waren technisches oder menschliches Versagen sowie Angriffe von außen.

Gezeigt hat sich dabei, dass es ebenso fahrlässig ist, sich auf eine einzige Internetadresse (etwa www.hannover.de) zu verlassen, unter der dann sämtliche Webseiten und andere Dienste laufen sollen, wie nur eine einzige Internetverbindung für ein zentrales Verwaltungsgebäude zu besitzen.

Während Verwaltungen ihre physikalische Anbindung an das Internet über Kupfer-, Koaxial- und Glasfaserkabel und LTE noch im Blick haben, wird der nächsten Infrastruktur-Ebene meist wenig Aufmerksamkeit zuteil: dem Domain-Namen-System (DNS) nämlich, und damit den Top-Level-Domains und Domain-Namen.

Dies mag an eingefahrenen Strukturen liegen, oder daran, dass es bislang erst seit kurzem und dazu noch wenige Stadt- bzw. Bundesland-Endungen in Deutschland gibt. Im Saarland allerdings, in Köln und Nordrhein-Westfahlen haben die jeweiligen Regierungen schon begriffen, dass Domain-Endungen einen zentralen Bestandteil der Kommunikationsinfrastruktur darstellen.

Gegenüber einer einzigen, zentralen Internetadresse, wie etwa stuttgart.de oder hessen.de, bietet ein ganzer Namensraum unter .stuttgart und .hessen bisher nicht dagewesene und zudem widerstandsfähigere Möglichkeiten der Adressierung von Bürgerdiensten und anderen Lösungen in einer Smart City.

Während sich Informationen zur Umweltzone in Hannover aktuell unter der wenig nutzerfreundlichen Adresse www.hannover.de/Leben-in-der-Region-Hannover/Umwelt-Nachhaltigkeit/Umweltinformation/Luft,-L%C3%A4rm-und-Strahlung/Umweltzone befinden, könnte die zukünftige Adressierung mit www.umweltzone.hannover sehr viel intuitiver, suchmaschinenfreundlicher und sicherer gestaltet werden. Dasselbe Prinzip gilt für die vielen anderen Themen einer Stadt oder eines Bundeslandes – von Wirtschaftsthemen über kulturelle Angebote bis hin zu Flüchtlingsfragen.

Im Krisenfall wäre mit einem Ausfall von www.steuern.hannover nur eine Webseite betroffen, nicht aber die gesamte Webseite der Stadtverwaltung. Vergleichen kann man dieses Vorgehen mit der Dezentralisierung von Stromerzeugern, Stromnetzen und Verteilern, die zum Ziel hat, die Stromversorgung resilienter gegenüber Naturkatastrophen, Sabotage und anderen Gefahren zu machen.

Zuletzt sei angemerkt, dass es sich bei den Domain-Endungen um die weltweit stabilsten und sichersten Infrastrukturen überhaupt handelt. Top-Level-Domains wie .de, .at oder .com gibt es seit rund 30 Jahren; sie sind so selbstverständlich geworden wie Wasser, Strom, Gas und Internet, aber mit dem großen Vorteil, dass sie in diesem langen Zeitraum praktisch nicht ausgefallen sind.

Gutes E-Government sollte daher auch auf einer eigenen Internet-Infrastruktur in Form einer Domain-Endung basieren.

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