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Smart Cities Interview

Es wird eng: Laut einer Studie der Vereinten Nationen werden im Jahr 2050 voraussichtlich knapp zehn Milliarden Menschen auf unserem Planeten leben – fast 70 Prozent davon in Groß- und Megastädten. Um daraus resultierenden Herausforderungen wie beengten Wohnverhältnissen, Verkehrsinfarkten, Engpässen bei der Wasser-, Strom- und Nahrungsversorgung oder Umweltverschmutzung entgegenzuwirken, braucht es insbesondere zukunftsfähige digitale Lösungen. Dirk Krischenowski, Experte für digitale Kommunikationsinfrastrukturen im öffentlichen Sektor, erklärt, warum robuste IT-Infrastrukturen in den Konzepten der sogenannten „Smart Cities“ nicht fehlen dürfen.

Smart City Anwendungsbereiche

 „Smart Cities erhöhen die Lebensqualität der Bürger nachhaltig.“

 

Herr Krischenowski, Sie sind Berliner. Wie stellen Sie sich ihre Stadt als vollwertige Smart City vor?

Zunächst einmal gibt es in Berlin ja schon durchaus Ansätze, die Bestandteil einer Smart City sind. Vor ein paar Wochen zum Beispiel ging eine Meldung durch die Medien, dass die Berliner Verkehrsbetriebe ab dem Frühjahr 2018 auf dem Gelände der Charité die ersten Elektro-Busse testen, die keinen Fahrer mehr benötigen, also völlig autonom unterwegs sind. Das finde ich ziemlich spannend. In einer Smart City ginge dieses Konzept aber noch weiter: Nicht nur die Busse wären fahrerlos, es bräuchte auch niemand mehr ein eigenes Auto, weil man stattdessen per App Robotertaxis – selbstständig fahrende Fahrzeuge also – bestellen könnte, die einen von A nach B bringen. Diese Fahrzeuge wären in der Lage, selbstständig Verkehrsinformationen untereinander auszutauschen und ihre Route je nach Verkehrslage eigenständig zu optimieren. Das Risiko eines Verkehrsinfarktes wäre dadurch viel geringer.  Weil die Elektrotaxis außerdem mit einem Elektromotor betrieben werden würden, würde auch die Umweltbelastung reduziert werden.

Die Mobilität ist allerdings nur ein Teil, der das Konzept Smart City ausmacht. Ganz allgemein gesprochen hebt sich eine smarte Stadt von anderen Städten dadurch ab, dass sie in ihrer Entwicklung auf aktuelle technische Innovationen setzt, um effizienter, nachhaltiger und für ihre Bürger gesünder zu sein. Dazu gehören neben der Mobilität auch die Bereiche Energie, Stadtplanung, Verwaltung und Kommunikation, die so miteinander verknüpft werden, dass die Lebensqualität für die Bewohner der Stadt spürbar steigt. Diese Smart City basiert auf einer robusten und ausfallsicheren Infrastruktur, besonders bei der Stromversorgung und der IT-Infrastruktur, zu der nicht nur redundante breitbandige Glasfaserleitungen gehören, sondern auch IP-Adressen und Internetadressen.

Wie gut aufgestellt ist Deutschland, was das Konzept der Smart City betrifft?

Ich würde durchaus sagen, dass vor allem in der Breite Nachholbedarf besteht, vor allem in mittelgroßen Städten ab 50.000 Einwohnern. Unsere Metropolen wie eben Berlin, aber auch Hamburg oder Köln, sind da schon experimentierfreudiger und teilweise auch erheblich weiter.

Und wie weit sind andere Länder?

Das Thema Digitalisierung hat sich in Europa höchst unterschiedlich entwickelt. Oftmals kann man es gar nicht am Land selbst festmachen, es sind einzelne Städte, die sich mit besonderen Projekten hervortun. Ein schönes Beispiel dafür ist Darmstadt, das einen von BITKOM ausgerufenen Wettbewerb für sich entschieden hat und jetzt als erste deutsche Stadt den Titel „Digitale Stadt“ tragen darf.

In Europa sind Barcelona, Wien und Kopenhagen beim Thema Smart City schon recht weit. Nur gilt das eben für die einzelnen Städte und nicht für alle Städte in den entsprechenden Ländern. Eine Ausnahme bildet hier Skandinavien, das auch beim digitalen Bezahlen absoluter Vorreiter ist. Bargeld wird hier kaum noch benötigt, selbst die Kollekte in der Kirche werden über die Kreditkarte abgebucht. So etwas ist in Deutschland noch undenkbar.

Im Bereich des DNS, also Domain-Namen-Infrastruktur, ist Deutschland weltweiter Vorreiter. So gibt es in keinem Land mehr lokale Internet-Endungen als bei uns, von den Stadt-Endungen .berlin, .cologne, .hamburg und .koeln über die regionale .ruhr bis hin zu den Bundesland-Endungen .bayern, .nrw und .saarland.

Eine Smart City soll großstadttypische Probleme wie massives Verkehrsaufkommen oder eine belastete Umwelt besser bewältigen können. Ist das Konzept der smarten Stadt für kleinere Kommunen, die vor weniger große Herausforderungen gestellt werden, damit unbrauchbar?

Es stimmt, dass einwohnerärmeren Gemeinden und Dörfern schon aus Prestigegründen von Politik und Wirtschaft weniger Beachtung geschenkt wird. Unbrauchbar ist das Konzept der Smart City deshalb aber für sie noch lange nicht – und vergessen, wie es zum Beispiel beim Breitbandausbau passiert ist, werden sie auch nicht. Da kleine Kommunen zumeist einem Ballungs- oder Metropolraum zugeschrieben werden, werden ihre Interessen im Rahmen der Diskussion um smarte Regionen aufgegriffen und berücksichtigt. Oftmals sind das lokale Initiativen und Zusammenschlüsse, mit denen sich Gemeinden und Dörfer intelligent und digital mit Städten und Metropolen vernetzen. Ein Beispiel hierfür ist die Internet-Endung .ruhr, die die Großstädte des Ruhrgebiets und alle Gemeinden in eine gemeinsame Internet-Kommunikationsinfrastruktur einbezieht. Hierbei geht es auch um kommunikative Aspekte: Während viele Smart City Aktivitäten weitgehend unsichtbar sind, sehen Bürger die neuen, intuitiven Internetadressen mit dem Namen ihrer Stadt oder Region jeden Tag und haben das Gefühl, dass sich tatsächlich etwas Positives tut bei der Digitalisierung.

Was sind die wichtigsten Voraussetzungen, damit wir in Deutschland wirklich digital und smart werden können?

Die wichtigste Voraussetzung, damit alle Aspekte einer Stadt digital miteinander vernetzt werden können, sind Bürger, die damit auch umgehen können, also digital souverän sind. Von der Politik wird das aber leider immer noch  ausgeblendet. Dabei wird es ohne digital versierte Lehrer und Eltern für die nachwachsende Generation schwer, denn woher soll sie ihr Wissen bekommen? Auch die aktuell größte Bevölkerungsgruppe, die ins Alter kommende Babyboomer-Generation, ist digital längst nicht so bewandert, wie es im Rahmen einer Smart City nötig wäre.

Um die digitale Vernetzung nachhaltig in den Köpfen der Bevölkerung zu verankern, ist es aus meiner Sicht auch wichtig, dass überall der Name der Stadt, Kommune oder Region dran- oder draufsteht. Ein eigener Adressraum, wie er nur durch eine gleichnamige Internet-Endung dargestellt werden kann, hilft ungemein, um Akzeptanz in der Bevölkerung zu schaffen. Um konkret zu werden: Eine Internetadresse wie www.bürgerkonto.kiel ist viel intuitiver und schafft daher ungleich mehr Akzeptanz als www.bürgerkonto-kiel.info. Das haben Studien, wie z. B. vom Verband der Internetwirtschaft (eco e.V.) bereits gezeigt.

Genauso wichtig ist aber auch eine sichere und stabile digitale Kommunikationsinfrastruktur und eine digitalisierte Verwaltung, die sich als moderner Dienstleister für die Bürger versteht. Daneben muss es aber auch ein technologie- und experimentierfreundliches Klima geben, denn Fehler sind nun einmal unvermeidlich.

Die Umsetzung einer Smart City ist ein Mammutprojekt. Wer soll die Kosten für die notwendigen Digitalisierungsmaßnahmen tragen?

Bislang tragen Städte und Kommunen einen Großteil der Kosten selbst. Zahlreiche Fördermöglichkeiten gibt es zwar heute schon, sie sind im Kontext der Bedeutung von smarten Städten für unsere Zukunft aber insgesamt zu wenig und auch nicht flexibel genug. Hier würde ich mir wünschen, dass EU, Bund und Länder mutiger sind und sich zu mehr als Lippenbekenntnissen durchringen können. Wir stellen immer wieder fest, dass Städte lieber große Unternehmen beauftragen, statt auch einmal innovative Startups mit einzubeziehen. Da helfen dann auch kaum Wettbewerbe, bei denen versucht wird, Städten Anreize bei der Finanzierung von Digitalisierungsprojekten zu geben.

Sie erwähnten ja bereits Darmstadt als Träger des Titels „Digitale Stadt“ – hat Darmstadt diese Auszeichnung zu Recht bekommen?

Wir haben uns die Präsentationen der Darmstädter angesehen und sehen hier auf jeden Fall Potenzial für eine digitale Vorzeigestadt der Zukunft. Im Bitkom-Wettbewerb „Digitale Stadt“ hat Darmstadt nicht ohne Grund gewonnen. Besonders gefallen hat uns der integrierte Ansatz der digitalen Infrastruktur, die ein Muss für jede digitale Stadt ist.

Ist es ein Problem, dass derzeit jede Stadt an eigenen Lösungen arbeitet?

Definitiv nein, das ist kein Problem. Stellen Sie sich Smart Cities einfach als eine Art großes Labor vor: Je mehr mit Software- und anderen innovativen Lösungen experimentiert wird, desto besser. Nur so können sich die besten Lösungen herausschälen und dann von anderen Städten übernommen werden. Für Startups sind Smart Cities eine große Geschäftschance und wir hoffen, dass die Städte das auch erkennen und fördern.

Bei der physischen Infrastruktur ist es besser, größer zu denken, denn in der überschaubaren Zukunft werden wir sie – so wie die Städte zurzeit anhaltend wachsen – auf jeden Fall benötigen. Zudem hat jede Stadt natürlich ihre eigenen Besonderheiten und Charakteristika, sodass es auch immer hoch-individuelle digitale Lösungen geben wird.

Eine vollwertige Smart City kann großstadttypische Probleme reduzieren. Gibt es weitere Vorteile?

Ja, das Konzept verfolgt klare Ziele und hat für die Entwicklung einer Stadt viele positive Nebeneffekte. So wird dann nicht nur die Lebensqualität für die Bewohner erhöht, es werden auch mehr Touristen als Besucher gewonnen. Außerdem stärkt ein gut umgesetztes Konzept eine Stadt auch als Wirtschaftsstandort, weil sie dadurch auch für Arbeitskräfte und Investoren attraktiv wird. Hierfür ist eine leistungsstarke digitale Infrastruktur nötig – dazu gehört beispielsweise eine Breitbandanbindung, aber auch eine eigene Internet-Endung für die Stadt, unter der sich digitale Angebote sammeln und intuitiv zugänglich sind.

Was wären die Folgen, wenn Deutschland, die Bundesländer, Städte und Kommunen die Digitalisierung zu zögerlich angehen?

Deutschland kann es sich schlichtweg nicht leisten, den digitalen Wandel zu verschlafen. Wir stellen heute schon die Weichen für die Zukunft, ob wir wollen oder nicht. Und wir entscheiden auch, ob die nächsten Generationen weiter im gewohnten Wohlstand leben können.

Deutschland ist zwar heute noch eine große Exportnation – allerdings nur bei nicht-digitalen Gütern wie Autos oder Maschinen. In der rasant zunehmend digitalen Welt von Morgen wird es daran aber immer weniger Bedarf geben. So exportieren andere Nationen bereits ein Drittel Ihrer Güter als digitale Güter.

Und noch einmal: Der Bürger muss als Mensch, Konsument, Wähler usw. im Mittelpunkt der digitalen Transformation stehen, besonders natürlich in den smarten Städten. Denn die smarten Städte stehen dabei im weltweiten Wettbewerb um Investitionen, Talente und auch Bürger.

Digitalisierung von Städten

digitale stadt stadt-endung

Mit einem neuen Vorschlag für die Digitalisierung von Städten, Bundesländern und Regionen verbinden der bundesweit größte IT-Verband bitkom und der Deutsche Städte- und Gemeindebund eine Reihe von Handlungsvorschlägen und die Forderung, dass die Bundesregierung dafür jährlich mindestens 500 Millionen Euro zusätzlich zur Verfügung stellen soll. Im Rahmen dieser Maßnahmen kann auch die Schaffung digitaler Kommunikationsinfrastrukturen, wie sie Domain-Endungen (Top-Level-Domains) darstellen, gesehen werden, da diese eine unverzichtbare Basis bei der Digitalisierung von Bürgerdiensten und im E-Government darstellen (www.bitkom.org)

 

Innovative Verwaltung mit eigenen Adressen

Das Fachmedium für modernes Verwaltungsmanagement, die Zeitschrift Innovative Verwaltung, hat einen Artikel zur Verwendung der geographischen Domain-Endungen (Top-Level-Domains) in der Verwaltung der Smart City veröffentlicht.

Das Magazin schreibt:

„Seit einiger Zeit können Regionen, Länder und Städte neben der Internetendung „.de“ eine sogenannte Geo-Endung nutzen. Doch viele Verwaltungen reagieren noch zurückhaltend.Eine Website mit deutschem Betreiber endete bisher meist auf der Länderendung „de“, „com“ oder auch „net“. Die Auswahlmöglichkeiten waren lange Zeit begrenzt. Mit der aktuellen Domainreform soll das nun anders werden. Hunderte neuer Netz-Endungen wurden mittlerweile freigeschaltet, darunter auch  solche für Städte und Regionen. Die jeweiligen Verwaltungen waren in den Vergabeprozess stets mit eingebunden.

Endungen für Stadt und Regionen

Seit mehr als drei Jahren führt die globale Internetverwaltung Icann (Internet Corporation für Assigned Names and Numbers)sukzessive alternative Endungen ein. Diese neuen Top Level Domains, wie sie in der Tech-Sprache heißen, beziehen sich wie .berlin und .bayern auf Städte und Regionen, wie .auto und .reisen auf Branchen oder drehen sich wie .edeka und .Volkswagen um Marken. Für eine Gebühr von 185.000 US-Dollar konnte sich im Frühjahr 2012 jeder bei der Icann um eine frei gewählte  Internetendung bewerben. Seit Ende 2013 werden die Top Level Domains freigeschaltet. Etwa 1.200 sind bis heute online, weitere 200 sollen in den nächsten Monaten noch hinzukommen.“

Mehr können Sie hier lesen.

Städte sind zuerst digital

Smarte Cities To-Level-Domains

Die Zukunft gehört den Städten. Genauer gesagt, die Zukunft gehört denjenigen smarten und digitalen Städten, die die klügsten und besten Köpfe anziehen und sie zur Entwicklung und Umsetzung fortschrittlicher Ideen ermutigen. Heute konkurrieren Städte national und international um Unternehmen und qualifizierte Arbeitskräfte, aber auch um Besucher. Als Teil einer zunehmend globalisierten und damit mobilen Gesellschaft sind diesen Postkartenansichten und Denkmäler einer Stadt jedoch weniger wichtig als das Lebensgefühl, das der bereiste Ort ausstrahlt.

Das spezifische Lokalkolorit ist es, das den Reisenden dazu veranlasst, zu verweilen und Zeit, Geld und emotionale Energie in das Kennenlernen des Ortes zu investieren. Dazu gehören auch eine stadteigene Domain-Endung mit uniquen Internetadressen, die Orte, Events, Kreatives und Besucherinformationen intuitiv und öffentlich sichtbar kennzeichnen. Beispiele in Berlin sind

Seit jeher ziehen Städte Menschen an. Ob ihre Besucher Ferien machen wollen oder studieren, arbeiten, ein Startup oder eine multinationale Firma gründen – ein geschicktes Stadt- und Standortmarketing kann Bedingungen schaffen, die es ihnen allen leicht macht, sich in der Stadt wohlzufühlen. Gelungenes Standortmarketing verschafft einer Stadt eine, auch digitale Identität, die authentisch ist, von allen ihren Stakeholdern verstanden wird und sich von der Konkurrenz abhebt. Dabei ist es wichtig, auch diejenigen zu Wort kommen zu lassen, die das Bild einer Stadt maßgeblich beeinflussen: die Unternehmen und Bewohner. Städte sollten anderen das Sprechen überlassen und selbst qualitativ hochwertige Inhalte schaffen, die den Bedürfnissen ihrer umfassenden Ziele in der Stadtentwicklung entsprechen. Wenn ihnen dies gelingt, ziehen sie kreative und kompetente Menschen an, die ihre Stadt weiter vorantreiben, auch im Digitalen.

Städte, die in der Weltrangliste ganz oben stehen, tragen übrigens einen großen Anteil dazu bei, ihren qualifizierten Talenten hohe Lebensqualität zu sichern. Die „Liste der lebenswertesten Städte 2016“ des internationalen Magazins Monocle stellt dies nuanciert dar: Von entscheidender Bedeutung für das städtische Leben sind eine internationale Vernetzung sowie ein aktives Nachtleben (The Place Brand Observer / Monocle, 2016).

 

 

Ohne Internetadressen kein E-Government

Netzwerk Smart City Berlin

Wir sind der Meinung, dass die Planung und Umsetzung von E-Government-Diensten und Smart-City-Lösungen allzu oft lediglich auf die für den privaten, gewerblichen oder behördlichen Nutzer sichtbaren Anwedungsoberflächen (z. B. die Anwendung eines Gewerbes über das Internet) und Endgeräte (z. B. das autonome Fahrzeug) abzielt. Politisch lässt sich das gut verkaufen, ist aber letztlich nur ein Teil der Stadt von morgen.

Weniger „spannend“, dafür aber umso wichtiger, sind die Themen Konnektivität und Kommunikationsinfrastruktur. Dazu gehören sichere und schnelle Netzwerkverbindungen ebenso wie IP- und Internetadressen als integraler Bestandteil der Infrastruktur von Städten. Servicebeispiele sind etwa das öffentliche WLAN, Glasfaserleitungen und Nameservever, aber auch der Schutz dieser Infrastrukturen vor physischen Angriffen (ob nun durch Bagger oder Terroristen) und Cyberangriffen.

Diese Infrastrukturen werden zumeist von privaten Netzbetreibern, Telekommunikationsanbietern und IT-Unternehmen unterhalten. An dieser Stelle hervorheben möchten wir die Verwalter von Top-Level-Domains, wie die DENIC e.G. (.de) und die dotBERLIN GmbH & Co. KG (.berlin), die für den reibungslosen Betrieb ihrer Domain-Endungen sorgen.

Im Krisenfall

Ausfälle der Kommunikationsinfrastrukturen ganzer Städte hat es in der Vergangenheit zur Genüge gegeben. Gründe dafür waren technisches oder menschliches Versagen sowie Angriffe von außen.

Gezeigt hat sich dabei, dass es ebenso fahrlässig ist, sich auf eine einzige Internetadresse (etwa www.hannover.de) zu verlassen, unter der dann sämtliche Webseiten und andere Dienste laufen sollen, wie nur eine einzige Internetverbindung für ein zentrales Verwaltungsgebäude zu besitzen.

Während Verwaltungen ihre physikalische Anbindung an das Internet über Kupfer-, Koaxial- und Glasfaserkabel und LTE noch im Blick haben, wird der nächsten Infrastruktur-Ebene meist wenig Aufmerksamkeit zuteil: dem Domain-Namen-System (DNS) nämlich, und damit den Top-Level-Domains und Domain-Namen.

Dies mag an eingefahrenen Strukturen liegen, oder daran, dass es bislang erst seit kurzem und dazu noch wenige Stadt- bzw. Bundesland-Endungen in Deutschland gibt. Im Saarland allerdings, in Köln und Nordrhein-Westfahlen haben die jeweiligen Regierungen schon begriffen, dass Domain-Endungen einen zentralen Bestandteil der Kommunikationsinfrastruktur darstellen.

Gegenüber einer einzigen, zentralen Internetadresse, wie etwa stuttgart.de oder hessen.de, bietet ein ganzer Namensraum unter .stuttgart und .hessen bisher nicht dagewesene und zudem widerstandsfähigere Möglichkeiten der Adressierung von Bürgerdiensten und anderen Lösungen in einer Smart City.

Während sich Informationen zur Umweltzone in Hannover aktuell unter der wenig nutzerfreundlichen Adresse www.hannover.de/Leben-in-der-Region-Hannover/Umwelt-Nachhaltigkeit/Umweltinformation/Luft,-L%C3%A4rm-und-Strahlung/Umweltzone befinden, könnte die zukünftige Adressierung mit www.umweltzone.hannover sehr viel intuitiver, suchmaschinenfreundlicher und sicherer gestaltet werden. Dasselbe Prinzip gilt für die vielen anderen Themen einer Stadt oder eines Bundeslandes – von Wirtschaftsthemen über kulturelle Angebote bis hin zu Flüchtlingsfragen.

Im Krisenfall wäre mit einem Ausfall von www.steuern.hannover nur eine Webseite betroffen, nicht aber die gesamte Webseite der Stadtverwaltung. Vergleichen kann man dieses Vorgehen mit der Dezentralisierung von Stromerzeugern, Stromnetzen und Verteilern, die zum Ziel hat, die Stromversorgung resilienter gegenüber Naturkatastrophen, Sabotage und anderen Gefahren zu machen.

Zuletzt sei angemerkt, dass es sich bei den Domain-Endungen um die weltweit stabilsten und sichersten Infrastrukturen überhaupt handelt. Top-Level-Domains wie .de, .at oder .com gibt es seit rund 30 Jahren; sie sind so selbstverständlich geworden wie Wasser, Strom, Gas und Internet, aber mit dem großen Vorteil, dass sie in diesem langen Zeitraum praktisch nicht ausgefallen sind.

Gutes E-Government sollte daher auch auf einer eigenen Internet-Infrastruktur in Form einer Domain-Endung basieren.

Die Digitalisierung der kommunalen Bürger-Services

Menschen nutzen die Smart City Anwendungen

Für die digitale und smarte Stadt bietet sich eine IT-Plattform mit der entsprechenden Domain-Endung (auch Top-Level-Domain genannt) an. Eine digitale Kommunikations- und Verwaltungsplattform auf Basis einer Stadt-Domain-Endung ermöglicht Bürgern und Unternehmen einen unkomplizierten Austausch untereinander sowie mit der kommunalen Verwaltung und vernetzt sie über einen lokal angepassten digitalen Marktplatz. In Deutschland sind Berlin, Hamburg und Köln Vorreiter dieser Entwicklung.

Die immer weiter zunehmende Digitalisierung von Privatleben und Geschäftswelt erfordert einen effizienten, nutzerfreundlichen und transparenten Bürgerservice. Auch die Kommunikation auf behördlicher Ebene nimmt immer mehr an Bedeutung zu. Auf diese Entwicklungen und die damit verbundenen Herausforderungen müssen Kommunen reagieren, um nicht den Anschluss zu verlieren.

Stadt Verwaltung Digital
Word Cloud für das Thema Verwaltung Digital in der Smart City.

Um die Kommunikation in Städten, kommunalen Regionen und auch Bundesländern digital zu vereinfachen, besteht mit einer kommunalen Domain-Endung die Möglichkeit, einzelne Abläufe auf einer zentralen Plattform zusammenzuführen und so auch eine Bürger-Nutzer-Community aufzubauen. Unternehmen wie die Berliner DOTZOM GmbH entwickeln auf der Basis einer Domain-Endung Konzepte für Informations-, Kommunikations- und Handelsplattformen für kommunale Bürgerdienstleistungen und Produkte.

Aufbau der IT-Struktur der Stadtverwaltung mit einer Domain-Endung

Eine kommunale Kommunikationsplattform auf Basis einer Domain-Endung kann quasi als Plug-and-Play-Lösung zunächst in die bestehenden IT-Infrastrukturen der Stadtverwaltung integriert werden, sie später aber auch ersetzen. Die Plattform kann sich dabei aus verschiedenen Bestandteilen zusammensetzen – u. a. E-Mail-Adressen, Bürger-IDs oder eine Einkaufsplattform.

Die Kommunikationsplattform sorgt für den digitalen und direkten Austausch der Bürger untereinander sowie mit lokalen Unternehmen und Organisationen. Sie ermöglicht außerdem die digitale Interaktion der Bürger mit ihrer Behörde durch ein Webportal. So können Anfragen, Anträge oder andere Anliegen, wie etwa Meldungen zu Schäden im städtischen Raum, direkt und ohne Wartezeiten übermittelt werden. Zudem werden Informationsflüsse innerhalb der Verwaltung automatisch erfasst, kategorisiert und weiterbearbeitet.

„In Köln, Nordrhein-Westfalen und im Saarland wurden bereits wertvolle Erfahrungen bei der Umsetzung digitaler Bürgerservices gesammelt, in Berlin und Hamburg auch im Standortmarketing“, erklärt Dirk Krischenowski, Geschäftsführer von dotBERLIN. „Als Vorreiter und Ideengeber wollen wir das Konzept der kommunalen Domain-Endung in Städten, Kommunen und Bundesländern weiterentwicklen.“

Krischenwoski ergänzt: „Wir sind sicher, dass sich zahlreiche Kommunen für die Idee der digitalen Stadt bzw. Region auf Basis einer Domain-Endung begeistern und freuen uns darauf, Deutschland dabei zu helfen, damit ein Stück weiter digital zu werden.“

Diese Seite ist auch unter www.verwaltung.digital zu erreichen.

Ausgewählte Links

http://www.verwaltung-der-zukunft.org/digitale-verwaltung (Rubrik auf der Webseite Verwaltung der Zukunft)

https://www.verwaltung-innovativ.de/DE/Regierungsprogramm/aktuelles_regierungsprogramm/18_legislaturperiode_node.html (Webseite der Bundesregierung zum Regierungsprogramm „Digitale Verwaltung 2020)

https://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/Projekte/Smart_Country/DigiTransVerw_2017_final.pdf (Studie der Bertelsmann-Stiftung zum Thema Digitale Verwaltung)

https://www.bitkom.org/Bitkom/Organisation/Gremien/Digitale-Verwaltung.html (Webseite des Arbeitskreises „Digitale Verwaltung“ beim Branchenverband bitkom)

https://www.hiig.de/project/die-digitale-offentliche-verwaltung (Webseite der Berliner Humboldt Universität zum Thema „Die digitale öffentliche Verwaltung“)

Was sind geoTLDs, brandTLDs, gTLDs usw.?

Selbst für Experten ist es oft nicht einfach, das Namens-Wirrwarr der vielen Domain-Endungen (auch Internet-Endungen oder Top-Level-Domains genannt) zu durchblicken. Wir haben daher eine Übersicht erstellt, die die Systematik erklärt.

Grundsätzlich unterscheidet die Internet-Verwaltungsorganisation ICANN zwei Arten von Domain-Endungen:

  • Länder-Top-Level-Domains (engl. country code top-level domains, kurz ccTLDs, Einzahl ccTLD) wie .de, .fr, .us oder .tv. ccTLDs sind immer nur zwei Buchstaben lang.
  • Allgemeine bzw. generische Top-Level-Domains (engl. generic top-level domains, kurz gTLDs, Einzahl gTLD) wie .com, .net, .london oder .google. gTLDs können zwischen 3 und 63 Zeichen lang sein.

Neben diesen beiden festen Arten haben sich eine ganze Reihe von Abkürzungen und Bezeichnungen für die Vielzahl allgemeiner Domain-Endungen etabliert:

legacyTLDs – Damit werden alle (alten) gTLDs bezeichnet, die es schon vor dem Jahr 2012 gab. Im Einzelnen sind dies: .com, .net, .org, .arpa, .int, .mil, .gov, .edu, .info, .biz, .museum, .aero, .coop, .name, .pro, .asia, .cat, .jobs, .mobi, .tel, .travel und .xxx.

nTLDs – Abkürzung für „new gTLDs“, also neue Top-Level-Domains, die ab dem Jahr 2013 zugelassen wurden.

geoTLDs – Damit werden allgemein alle geographischen Top-Level-Domains, die den Namen oder die Abkürzung einer Stadt, einer Region oder eines Bundeslandes tragen, bezeichnet. Beispiele dafür sind etwa .berlin, .ruhr oder .bayern.

cityTLDs – Englische Bezeichnung für Stadt-Endungen wie .hamburg oder .nyc. cityTLDs sind eine Untergruppe der geoTLDs.

regioTLDs – Bezeichnung für regionale Endungen (auch Bundesländer oder Kantone) wie .wales oder .nrw. regioTLDs sind ebenfalls eine Untergruppe der geoTLDs.

language & culture TLDs – Die auch als lcTLDs abgekürzten Endungen umfassen u. a. .gal (für Galizien), .cat (für Katalonien) und .scot (für Schottland) und bilden den jeweiligen Sprachraum und Kulturkreis ab. lcTLDs sind ebenfalls eine Untergruppe der geoTLDs.

communityTLDs – Breite Kategorie von Top-Level-Domains, bei denen ein allgemeiner (generischer) Begriff von Verbänden und anderen dazugehörigen Organisationen unterstützt wird. Unter community TLDs fallen beispielsweise .travel, .museum oder .berlin.

brandTLDs – Englische Bezeichnung für „Marken-TLD“; sie bezeichnet Endungen für Marken und Unternehmensnamen wie .volkswagen, .lidl und .cartier. Insgesamt gibt es über 500 Marken-Top-Level-Domains.

IDN TLDs – Domain-Endungen in anderen Sprachskripten als unserem gewohnten lateinischen Skript. Hierunter fallen beispielsweise Endungen in kyrillischer, chinesischer, arabischer und einer Reihe anderer Sprachen. Beispiele sind .手表, .ДЕТИ oder .ЕЮ (.eu). IDN TLDs können aus jeder Kategorie und Art (gTLD oder ccTLD) kommen.

closed generic TLDs – Bezeichnet Top-Level-Domains, bei denen ein allgemeiner Begriff wie bspw. „beauty“ alleine einem Unternehmen als Top-Level-Domain gehört (in diesem Fall: L’Oreal). Diese Nutzungsart ist ziemlich umstritten.

Weitere Information

Unter https://gtldresult.icann.org/application-result/applicationstatus findet sich zusätzlich eine Übersicht, um welche Art neuer Top-Level-Domain es sich handelt. Eine Liste aller zugelassenen Top-Level-Domains gibt es auf https://www.iana.org/domains/root/db.

dotstadt, punktstadt, stadtdomain – wie heißt es denn nun richtig?

Fachsprachlich bezeichnet .stadt eine Top-Level-Domain, bei der sich der Name der Stadt auf der obersten Hierarchiestufe der Internet-Adresse befindet.

Bei einer Top-Level-Domain wird im deutschsprachigen Raum synonym auch von einer Domain-Endung oder Internet-Endung gesprochen, wobei diese den ganz rechts stehenden Teil der Internet-Adresse beschreibt. Alle Teile einer Internet-Adresse (auch Levels genannt) sind durch Punkte geteilt.

In Deutschland, Österreich und der Schweiz sind die entsprechenden Länderendungen .de, .at und .ch besonders beliebt, aber auch die allgemeine Endung .com. Eine Stadt-Endung wie .münchen würde auf der gleichen Ebene stehen.

Das „dot“ als Vorsilbe einer Internet-Endung wurde durch die sogenannte „dotcom-Blase“ bekannt, weil die meisten Unternehmen seinerzeit eine .com-Adresse – also dotcom-Adresse –hatten. In Deutschland ist hingegen „punktde“ als Bezeichnung der Länderendung .de geläufig

Ob man nun von punkt oder dot spricht, von einer Domain, Domäne, URL, Internetadresse, Webseite oder Top-Level-Domain – letztendlich kommt es immer auch auf den Kontext an, in dem der Begriff verwendet wird.

Vorteile einer Stadt-Endung im Internet

Aus dem Betrieb einer Stadt-Top-Level-Domain ergeben sich vielfältige Vorteile. Wir haben einige Punkte für sie zusammengefasst:

  • Eine Stadt-Top-Level-Domain fördert eine stärkere lokale und regionale Nutzung des Intenets. Sie macht Angebote lokaler und regionaler Unternehmen und Organisationen schon auf Ebene der Internet-Endung sichtbar und damit – vor allem in Suchmaschinen – leichter auffindbar.
  • Mit einer Stadt-Top-Level-Domain lassen sich außerdem touristische und kulturelle Angebote Ihrer Stadt im Internet einfach präsentieren der Friedrichstadtpalast in Berlin nutzt beispielsweise die leicht einprägsame Internetadresse www.palast.berlin. Außerdem können Sie eine Vielzahl neuer, individueller Domain-Namen erstellen, unter denen Interessierte Informationen einer bestimmten zu Ihrer Stadt passenden Rubrik vorfinden, etwa „www.tourism.chicago“ oder „www.nightclubs.miami“.
  • Eine Stadt-Top-Level-Domain treibt den Digitalisierungsprozess Ihrer Stadt voran und erleichtert durch eine moderne Kommunikationsinfrastruktur die Interaktion von Verwaltung, Regierung und Institutionen mit den Bürgern, Organisationen und Unternehmen. Es ist beispielsweise möglich, E-Government-Initiativen zu starten, welche alle für die Bürger und Besucher einer Stadt wichtigen Informationen beispielsweise Dienstleistungen, toruistische Angebote, lokale Veranstaltungen, öffentliche Verkehrsmittel oder akute Notfälle auf einer Plattform zusammenführen.
  • Eine Stadt-Top-Level-Domain ermöglicht die Registrierung viel kürzerer und einprägsamer Adressen als dies bei .de oder .com möglich ist, wo oft nur noch Bandwurm-Adressen frei sind.
  • Nicht zuletzt haben Sie als Betreiber einer Stadt-Top-Level-Domain die Fäden in die Hand: Sie haben die vollständige Einsicht darüber, wer die Stadt-Endung auf welche Weise nutzt. Außerdem legen sie die Richtlinien und Verwaltungsrechte fest, die bestimmen, wer eine Internet-Adresse unter der Stadt-Top-Level-Domain registrieren darf.

Fazit: Mit Blick nach vorne wird eine Stadt-Top-Level-Domain zum Motor der Digitalisierung, der Ihre Stadt auf dem Weg Richtung Zukunft entscheidend voranbringt.

Digitale Souveränität: selbstbestimmt im Internet

Die Politik identifiziert die digitale Souveränität als ein für die Zukunft unseres Landes richtungsweisendes Thema. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie veröffentlichte bereits 2015 das Positionspapier Leitplanken für Digitale Souveränität, in welchem die Schlüsselvoraussetzungen für digital souveränes Handeln festgehalten wurden. Wer allerdings hofft, mit der Lektüre bereits den Weg zur digitalen Erkenntnis beschritten zu haben, der wird wohl enttäuscht werden, denn konkrete Handlungsanweisungen finden sich in dem Papier kaum. Darauf aufbauend haben wir Empfehlungen für die Entwicklung konkreter Handlungsanleitungen aus Sicht eines Digital-Unternehmens formuliert. Dabei fehlen besonders für Internetnutzer im mittleren Alter – all jene also, für die ein sicherer Umgang mit den digitalen Möglichkeiten häufig auch berufsbedingt wichtig ist – greifbare Ansätze.

Was ist digitale Souveränität?

Sie beherrscht Staaten, Städte, die Wirtschaft, Unternehmen – überhaupt alle Menschen in ihren verschiedenen Rollen als Privatpersonen, Konsumenten und Prosumenten, als Mitarbeiter und Bürger.

Aber was steckt hinter dem blumigen Ausdruck? Wikipedia formuliert: „Digitale Souveränität bezeichnet im Allgemeinen die Möglichkeit eines Menschen, digitale Medien souverän nutzen zu können.“ Digitale Souveränität wird also mit Medienkompetenz gleichgesetzt, für die Wikipedia wiederum eine inhaltlich ähnliche Definition bereithält: „Medienkompetenz bezeichnet die Fähigkeit, Medien und ihre Inhalte den eigenen Zielen und Bedürfnissen entsprechend sachkundig zu nutzen.“ Wer also digital souverän ist, der kann digitale Medien, Dienste und technische Geräte kompetent und verantwortungsvoll nutzen und damit in einer digitalen Gesellschaft eine aktive Rolle einnehmen.

Der Digitalverbund Bitkom siedelt digitale Souveränität in seinem Positionspapier zur digitalen Souveränität zwischen zwei Extremen an: der digitalen Fremdbestimmung und der Autarkie. Wer auf Plattformen wie Facebook sorglos alle möglichen Details über sich veröffentlicht, ohne sein Vorgehen dabei im Hinblick auf Datenhoheit – und Sicherheit bewerten zu können, wer sich gar darüber wundert, dass in der Werbung rechts neben dem Newsfeed immer genau die Produkte auftauchen, die man kürzlich auf Google gesucht hat, der verfügt im Hinblick auf digitale Technologien sicher nicht über ausreichende Kompetenzen. Im Gegensatz dazu ist digital autark, wer sich etwa aufgrund von Sicherheitsbedenken niemals WhatsApp auf das eigene Smartphone laden würde, völlig unabhängig davon, dass man der einzige Verweigerer in einem Freundeskreis ist, der nur noch über die App kommuniziert. Ein digital autarker Internetnutzer stellt benötigte Technologien selbst her und nutzt sie auch dann, wenn sie weniger leistungsfähig sind als bereits existierende Angebote.

Den Mittelweg zwischen beiden Extremen wiederum beschreibt die digitale Souveränität. Wer digital souverän ist, der ist mit dem Internet vertraut und fühlt sich online dementsprechend selbstsicher. Ein solcher Internetnutzer ist mit Mitmenschen bestens vernetzt, hat Vertrauen in die digitalen Medien und verfügt über die nötigen Fähigkeiten, um selbstbestimmt zwischen verschiedenen Angeboten zu wählen. WhatsApp, Snapchat oder Periscope? Warum nicht, wenn man darüber keine Informationen verschickt, die die eigene Privatsphäre gefährden?

Digital souverän ist außerdem, wer die Hoheit über seine Daten besitzt und weiß, wer darauf Zugriff hat. Gerade hier spielen äußere Einflüsse eine nicht unwesentliche Rolle: Sichere Übertragungswege, vertrauenswürdige Infrastrukturen, geeignete Angebote oder regulatorische Maßnahmen bilden die Grundlagen, die einen souveränen Umgang mit digitalen Medien überhaupt erst gewährleisten.

Wie geht digitale Souveränität?

Vorschläge, wie digitale Souveränität erworben werden soll, sind zwar vorhanden, richten sich an einzelne Bevölkerungsgruppen; für die Bevölkerung in ihrer Gesamtheit fehlen zielführende Anregungen.

So sollen, wenn es nach der Politik geht, Eltern ihren Kindern bereits zu Hause zu digitaler Kompetenz verhelfen und Lehrer ihren Schülern im „Digitalunterricht“ relevantes Wissen vermitteln. Senioren wiederum sollen ihre digitalen Kenntnisse in Volkshochschulkursen ausbauen. Und alle dazwischen?

Wie sollen Eltern ihren Kindern digitale Souveränität vermitteln, wenn sie selbst keine besitzen? Hier fehlen Konzepte und Ideen. Frei nach dem Motto „Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied“ wird auf Eigeninteresse und Selbstmotivation gesetzt: Wer im Netz nicht abgehängt werden möchte, der soll sich selbst mit digitalen Themen wie beispielsweise dem elektronischen Bezahlen, medizinischen Ferndiagnosen oder autonomen Fahrzeugen auseinandersetzen.

Notwendige Fähigkeiten

Allerdings stürzt sich zuletzt angesprochene Altersgruppe nicht halb so bedenkenlos in die neuen Technologien wie erhofft. Oft fehlt es schon an der Bereitschaft und den Mitteln zu Investitionen in die notwendigen technischen Endgeräte, ohne die als Tor zur digitalen Welt Lernen in diesem Bereich gar nicht erst möglich ist.

Während Kinder und Jugendliche zumeist neugierig darauf sind, neue Entwicklungen selbst auszuprobieren und anzuwenden, gilt unter Erwachsenen oft der Tenor: „Das neue Handy schaffe ich mir auf keinen Fall an, meins ist doch erst fünf Jahre alt“, „Diese Messenger-App brauche ich nicht, es gibt doch SMS“ oder „Das ist mir zu kompliziert, ich habe keine Zeit mich da einzulesen und ich kennen niemanden, der es mir erklärt“.

Zu digitaler Souveränität führen solche Einstellungen jedenfalls nicht. Im schlimmsten Fall finden sich diejenigen, die sich vor den neuesten Entwicklungen verschließen, irgendwann im digitalen Grabenbruch wieder. Dort herauszukommen ist schwer, denn die Digitalbranche entwickelt sich enorm schnell weiter.

Allerdings: Einen solchen Rückstand zu verhindern ist möglich – und wer digital souverän ist, der gerät gar nicht erst ins Hintertreffen. Wir haben im Folgenden vier essentielle Fähigkeiten zusammengetragen, die einen digital kompetenten Internetnutzer ausmachen:

Fähigkeit 1: Ich bin bereit, Endgeräte zu nutzen und kenne die damit verbunden physikalischen Handlungen. Hierzu zählen:

  • der allgemeine Umgang mit aktuellen Geräten – u. a. Smartphone, Tablet, Datenbrille und Sprachbox,
  • Kenntnisse darüber, wie sich Geräte steuern lassen – Hand-, Sprach- und Gestensteuerung,
  • Kenntnisse darüber, wie sich Geräte und Daten biometrisch sichern lassen.

Fähigkeit 2: Ich besitze die Hoheit über meine Daten und weiß, wie ich sie vor Dritten schützen kann. Hierzu zählen:

  • das Bewusstsein, dass zahlreiche Plattformen unterschiedlich mit persönlichen Daten umgehen, in der Regel in Abhängigkeit von ihrem Firmensitz und dem dort gelten Rechtsrahmen
  • ein Überblick darüber, welche Daten wo im Hintergrund gesammelt werden und wo sie aktiv preisgegeben werden,
  • eine bewusste Entscheidung, an wen Daten weitergegeben werden – dabei gilt das Prinzip der Datensparsamkeit,
  • Wissen darüber, wie man Informationen zu seinen gespeicherten Daten von einem Anbieter erhält,
  • Sicherung und Portierung der eigenen Daten,
  • Kenntnisse über alternative Plattformen – etwa Messenger-Dienste aus Europa,
  • Nutzung von sicheren Passwörtern – mind. zehn Zeichen, Groß- und Kleinschreibung, Ziffern, Sonderzeichen,
  • Wissen darüber, wie man Sicherheitseinstellungen setzt – etwa GPS-Tracking ausschalten oder den Browserverlauf löschen,
  • Wissen, was eine 2-Faktor-Authentifizierung ist.

Fähigkeit 3: Ich nutze eine sichere E-Mail-Adresse

Praktisch jeder, der im Internet surft, hat auch eine eigene E-Mail-Adresse. Weil wir dennoch immer wieder erleben, dass viele Nutzer im Bezug darauf zu wenig aufgeklärt sind, gilt den E-Mail-Programmen an dieser Stelle ein besonderes Augenmerk:

E-Mail-Adressen, die auf kostenlosen E-Mail-Diensten basieren, so genannte Freemailer, gibt es millionenfach – sie enden auf @gmail.com, @hotmail.com, @gmx.de oder @t-online.de. Auf ihnen wird Werbung eingeblendet, es werden Inhalte gescannt und für eigene Angebote ausgewertet, und möglicherweise persönliche Daten an Dritte weiterverkauft. Digitale Souveränität sucht man an dieser Stelle vergeblich, denn in den meisten Fällen sind sich die Betroffenen nicht bewusst, dass sie diesen Eingriffen durch das Akzeptieren der Allgemeinen Geschäftsbedingungen zugestimmt haben.

Auf eine E-Mail-Adresse verzichten muss dennoch niemand, denn die eigene Privatsphäre kann ganz einfach geschützt werden: Es gibt einerseits sichere E-Mail-Dienst-Anbieter aus Deutschland, bei denen man sich eine individuelle E-Mail-Adresse mit deren Endung kostenlos zulegen kann. Noch persönlicher geht es natürlich auch: Für etwa 25 Euro im Jahr, also eine Handymonatsgebühr, kann sich jeder eine individuelle E-Mail-Adresse basierend auf einer eigenen Internetadresse einrichten. So könnte beispielsweise Martin Schneider die Internetadresse www.martinschneider.berlin besitzen und sich darauf basierend die E-Mail-Adresse mail@martinschneider.berlin einrichten. Er hat damit jederzeit und lebenslang die Hoheit über die Inhalte seiner E-Mail-Kommunikation, kann seine Daten sichern und auf andere Geräte übertragen.

Fähigkeit 4: Ich kann mich sicher im Netz bewegen

Das vertrauliche und geschützte Bewegen im Netz ist digitales Know-how für Fortgeschrittene. Während das sichere bewegen im Netz tatsächlich wohl nur für den besonders besorgten Internetnutzer interessant ist, sollte jeder zumindest bei Bedarf dazu in der Lage sein, vertraulich und geschützt im Netz zu kommunizieren. Folgende Voraussetzungen sollen dafür erfüllt sein:

  • Wissen, wie man Endgeräte verschlüsselt und dies auch tun,
  • Wissen, welche Netzzugänge sicherer bzw. unsicherer sind,
  • Nutzung von Plattformen und Suchmaschinen, die keine Nutzerdaten tracken – etwa duckduckgo.com,
  • sich offline notieren, wo man sich angemeldet und welche Daten man herausgegeben hat,
  • sichere Verwahrung von Passwörtern.

Was kann der Staat tun?

Die Pflicht zur Weiterbildung als digital souveräner Bürger bei sich selbst zu sehen schließt nicht aus, auch den Staat in die Verantwortung zu nehmen. Ein einzelner Nutzer kann die Vielzahl an mit dem Internet zusammenhängenden Angeboten und Richtlinien kaum überblicken – Software- und Hardwareeinstellungen, AGBs, Anzahl genutzter Web-Applikationen. Damit das Internet bedenkenlos genutzt werden kann, müssen nutzerfreundliche, datensparsame und gleichzeitig sicherheitsorientierte Kommunikationssysteme bereitgestellt werden. „Privacy and Security by Design“ und „Privacy and Security by Default“ sollten dabei als Leitlinien für die Hersteller gelten. Die Umsetzung dieser Leitlinien wiederum ist Aufgabe der Politik, wie auch eine vom Deutschen Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI) in Auftrag gegebene Studie bestätigt: 61 Prozent aller Deutschen wünschen sich, dass der Staat das Internet stärker kontrolliert.

Digitale Bildung ist die Voraussetzung, um Menschen in der Transformation zu einer digitalen Wissensgesellschaft auf die Anforderungen der Arbeitswelt vorzubereiten und sie zur privaten gesellschaftlichen Teilhabe zu befähigen. Die digitale Aus- und Weiterbildung durch qualifizierte Experten und Multiplikatoren ist darüber hinaus die Basis für die Innovations- und Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft und unserer Wirtschaft, ob an unseren Schulen, Hochschulen, Kultur- und Weiterbildungseinrichtungen, aber auch in den Unternehmen und anderen Orten, an denen Bildung stattfindet. Digitale Bildung muss daher einer der zentralen Schwerpunkte der Digitalisierungsstrategie von Bund, Ländern und Kommunen sein, eingebunden in das Konzept des lebenslangen Lernens.

Auf europäischer Ebene sollte ergänzend dazu die neue europäische Datenschutzrichtlinie, die ab Mai 2018 durchgesetzt wird, ausgebaut und bekannte gemacht werden: Jedem Konsumenten steht ein Recht auf datenerhebungsarme digitale Produkte zu; der Konsument kann selbst frei wählen, welche Daten zu welchem Zweck, wie lange und wo gespeichert von ihm freigegeben werden.

Fazit

Digitale Souveränität generationenübergreifend und nachhaltig zu erreichen, gehört zu den größten Herausforderungen im Rahmen der zunehmenden Digitalisierung unserer Gesellschaft. Unser Alltag verändert sich schneller denn je – Big Data, künstliche Intelligenz, Vorhersage und Steuerung menschlichen Verhaltens, Massenüberwachung, Einsatz von Algorithmen, Robotik, die Verschmelzung von Mensch und Maschine sowie die Informationskonzentration bei wenigen privaten Unternehmen sind nur einige der Themen, die künftig eine immer wichtigere Rolle spielen werden. Digitale Fertigkeiten zu erwerben und weiter zu entwickeln und mit digitalen Technologien sicher umzugehen muss daher prioritäres Ziel der Bildungspolitik sein – vom Elternhaus über die Schule, die Aus- und Weiterbildung bis hin zum Arbeitsleben.

http://souveränität.digital
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